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Radiosendung zu "1968"

Felix Schneider und Heinz Steinert haben auf DRS2 eine halbe Stunde lang über die zahlreichen Neuerscheinungen und Debatten zu "1968" gesprochen. Diese Radiosendung ist zugleich eine Vorwegnahme von Ergebnissen einer Sammelrezension, die bei links-netz erscheinen wird und von der erste Teile auf den Seiten der folks-uni nachzulesen sind.

Die Sendung gibt es unter diesem link zum herunterladen oder reinhören

...und zur "Krise"

In der selben Reihe sprachen Felix Schneider und Heinz Steinert am 19. März 2009 über die Inflation von Krisenmetaphern und ihre politische Funktion.

Auch diese Sendung ist online verfügbar

Hinweise auf anstehende Tagungen oder andere Dinge, die möglicherweise auf unsere Startseite gehören, bitte an redaktion@links-netz.de

Februar 2010

Steuersenkungswahn

Joachim Hirsch

Etwas Wahnhaftes wohnt der aktuellen politischen Debatte schon inne. Die von der Regierungskoalition geplanten weiteren Steuersenkungen werden nicht nur von den einschlägigen Experten für falsch gehalten. Selbst das begünstigte Klientel scheint da eher etwas skeptisch, wie einschlägige Umfragen zeigen. Dass die FDP ihre Finanziers bedienen muss, reicht zur Erklärung wohl auch nicht ganz aus. Der Wahnsinn der heutigen politischen Normalität hängt auch damit zusammen, dass sich die Dynamik der Parteienkonkurrenz verselbständigt hat. Nach der letzten Wahl wurde eine Koalition zwischen einer sich immer noch als „Volkspartei“ verstehenden und einer schlichten Klientelpartei zusammengebastelt. Ihre strategischen Orientierungen sind völlig unterschiedlich. CDU und CSU müssen sich den Anschein geben, breitere Bevölkerungsschichten – nicht zuletzt von der SPD Abgewanderte – zu vertreten, während es für die FDP ausreicht, ihr 15%-Klientel (und natürlich ihre Finanziers) zu bedienen. Schon daher sind beide in Grundsatzfragen uneins. Jedoch muss die Koalition zwecks Macht- und Postenerhalt (und möglicherweise auch hier wieder wegen der Geldgeber) auf Gedeih und Verderb zusammen gehalten werden. Das spielt der FDP in die Hände, die außer Steuersenkungen überhaupt nichts mehr im Programm hat und schon deshalb wie an einem Mantra daran festhalten muss. Soweit in diesem Zusammenhang überhaupt noch Ansätze einer rationalen Argumentation feststellbar sind, dann läuft diese auf die Behauptung hinaus, dass Steuersenkungen das ökonomische Wachstum fördern. Dadurch würden die Staatseinnahmen so stark wachsen, dass die Defizite auf längere Sicht wieder ausgeglichen werden könnten. Dies ist allerdings nachgewiesenermaßen eine Lüge. ... weiterlesen 

Dezember 2009

Proteste der Studierenden, von Wien bis Frankfurt

Heinz Steinert

Zur allgemeinen Verblüffung sind die Proteste an den Universitäten diesen Herbst von Wien ausgegangen: Seit Mitte November gibt es dort an der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz einen „Generalstreik“. Nur wenig später wurde das Auditorium Maximum im Hauptgebäude der Universität am Ring besetzt. Alle offiziellen Stellungnahmen dazu anerkannten die Legitimität der studentischen Forderungen und warnten pflichtgemäß vor Gewalt und sonstigen Exzessen. In der Presse bekamen die BesetzerInnen den freundlichen Namen „AudiMaxisten“. Intellektuelle von Robert Menasse bis Jean Ziegler solidarisierten sich und traten mit Vorträgen im AudiMax auf. Dass die Finanzierung der Universitäten mit der Zunahme der Studierenden schon seit Jahrzehnten nicht Schritt hält, lässt sich einfach nicht leugnen. Auch die Universitäts-Leitungen fordern seit langem Verbesserungen der Aufnahme-Kapazitäten und kommen damit bei der Politik nicht durch. Die Unruhe der Studierenden kommt auch ihnen gerade recht, um ihre Forderungen zu unterstreichen. ... weiterlesen 

Uni-Leitung lässt Seminar durch Polizei abbrechen

Wie heute die Zerstörung selbstbestimmter kritischer Bildung praktiziert wird

Emanuel Kapfinger und Thomas Sablowski

An der Universität Frankfurt besetzten TeilnehmerInnen des Bildungsstreiks am Montag, den 30.11.09, das „Casino“, ein Gebäude mit Seminarräumen und einem Festsaal auf dem prestigeträchtigen IG-Farben-Campus. Die gewonnenen Räume wurden drei Tage lang für Workshops zur Bildungspolitik und für kulturelle Veranstaltungen sowie als Ausgangspunkt für Protestaktionen genutzt.

Am dritten Tag der Besetzung, Mittwoch 2.12.09, betrat um ca. 18:15 Uhr Präsident Müller-Esterl das Casino, forderte die BesetzerInnen zum Verlassen des Gebäudes auf und kündigte die Räumung durch die Polizei, die bereits mit etwa 150 Mann vor dem Gebäude stand, binnen 10 Minuten an. Auf die Bitte, sich einer Diskussion zu stellen, reagierte er nicht, sondern verließ umgehend wieder das Gebäude. ... weiterlesen 

Entzauberung der Entzauberung der Natur

Neueres Ökologisches in ‘linken’ Zeitschriften

Thomas Gehrig

Das Thema Ökologie hat seine Konjunkturen. Nachdem es längere Zeit ruhig geworden war um die ‘ökologische Frage’ beschäftigten sich in den zurück liegenden eineinhalb Jahren gleich mehrere linke Periodika damit. Neben materialen Analysen spezifischer Umweltprobleme finden sich dabei auch Artikel, die die Frage nach der Kapitalismuskritik im Angesicht der ökologischen Krise stellen. Im Folgenden wollen wir diesen neuerlichen Blicken auf die Natur nachgehen.

Gerade die Auseinandersetzung mit der Ökologie-Problematik spricht vielfältige Probleme des Marxismus und der ‘linken’ Theoriebildung insgesamt an. Mit der ‘ökologischen’ Herausforderung wurde Kapitalismuskritik allzu oft relativiert oder aufgegeben. An deren Stelle traten ein Naturalismus in Form einer gesellschaftlichen Orientierung an der ‘Natur’, Konzepte einer antidemokratischen Herrschaft der ökologisch aufgeklärten Eliten, staatliche Planungsvorstellungen (seien sie nun staatssozialistischer oder privatkapitalistischer Provenienz), ein utopisches ‘Außerhalb’ oder der abstrakte Verweis auf das Gebot der materialen Reproduktion. ... weiterlesen 

Die Bedeutung von Seattle

Walden Bello

Es ist inzwischen allgemein akzeptiert, dass die Globalisierung – gemessen an dem dreifachen Versprechen, Länder aus der Stagnation zu befreien, Armut zu beseitigen und Ungleichheit zu verringern – ein Fehlschlag war. Die aktuelle globale Abwärtsbewegung, die ihre Ursachen in der von der von den Unternehmen vorangetriebenen Globalisierung, in der Liberalisierung der Finanzmärkte und in der diese legitimierenden neoliberalen Ideologie hat, ist der letzte Sargnagel für dieses Projekt.

Das sah eine Dekade zuvor noch ganz anders aus. Ich erinnere mich noch an die triumphale Aura, mit der das erste Ministertreffen der Welthandelsorganisation im November 1996 in Singapur umgeben wurde. Damals erzählten die Vertreter der USA und anderer entwickelter Länder, die Globalisierung sei unvermeidlich, sie weise in die Zukunft, und es käme nur noch darauf an, die Politiken der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Welthandelsorganisation „kohärenter“ zu machen, um schnell das neoliberale Utopia einer integrierten Weltökonomie zu erreichen. ... weiterlesen 

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