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Proteste der Studierenden, von Wien bis Frankfurt
Heinz Steinert
Zur allgemeinen Verblüffung sind die Proteste an den Universitäten diesen Herbst von Wien ausgegangen: Seit Mitte November gibt es dort an der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz einen „Generalstreik“. Nur wenig später wurde das Auditorium Maximum im Hauptgebäude der Universität am Ring besetzt. Alle offiziellen Stellungnahmen dazu anerkannten die Legitimität der studentischen Forderungen und warnten pflichtgemäß vor Gewalt und sonstigen Exzessen. In der Presse bekamen die BesetzerInnen den freundlichen Namen „AudiMaxisten“. Intellektuelle von Robert Menasse bis Jean Ziegler solidarisierten sich und traten mit Vorträgen im AudiMax auf. Dass die Finanzierung der Universitäten mit der Zunahme der Studierenden schon seit Jahrzehnten nicht Schritt hält, lässt sich einfach nicht leugnen. Auch die Universitäts-Leitungen fordern seit langem Verbesserungen der Aufnahme-Kapazitäten und kommen damit bei der Politik nicht durch. Die Unruhe der Studierenden kommt auch ihnen gerade recht, um ihre Forderungen zu unterstreichen.
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Uni-Leitung lässt Seminar durch Polizei abbrechen
Wie heute die Zerstörung selbstbestimmter kritischer Bildung praktiziert wird
Emanuel Kapfinger und Thomas Sablowski
An der Universität Frankfurt besetzten TeilnehmerInnen des Bildungsstreiks am Montag, den 30.11.09, das „Casino“, ein Gebäude mit Seminarräumen und einem Festsaal auf dem prestigeträchtigen IG-Farben-Campus. Die gewonnenen Räume wurden drei Tage lang für Workshops zur Bildungspolitik und für kulturelle Veranstaltungen sowie als Ausgangspunkt für Protestaktionen genutzt.
Am dritten Tag der Besetzung, Mittwoch 2.12.09, betrat um ca. 18:15 Uhr Präsident Müller-Esterl das Casino, forderte die BesetzerInnen zum Verlassen des Gebäudes auf und kündigte die Räumung durch die Polizei, die bereits mit etwa 150 Mann vor dem Gebäude stand, binnen 10 Minuten an. Auf die Bitte, sich einer Diskussion zu stellen, reagierte er nicht, sondern verließ umgehend wieder das Gebäude.
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Entzauberung der Entzauberung der Natur
Neueres Ökologisches in ‘linken’ Zeitschriften
Thomas Gehrig
Das Thema Ökologie hat seine Konjunkturen. Nachdem es längere Zeit ruhig geworden war um die ‘ökologische Frage’ beschäftigten sich in den zurück liegenden eineinhalb Jahren gleich mehrere linke Periodika damit. Neben materialen Analysen spezifischer Umweltprobleme finden sich dabei auch Artikel, die die Frage nach der Kapitalismuskritik im Angesicht der ökologischen Krise stellen. Im Folgenden wollen wir diesen neuerlichen Blicken auf die Natur nachgehen.
Gerade die Auseinandersetzung mit der Ökologie-Problematik spricht vielfältige Probleme des Marxismus und der ‘linken’ Theoriebildung insgesamt an. Mit der ‘ökologischen’ Herausforderung wurde Kapitalismuskritik allzu oft relativiert oder aufgegeben. An deren Stelle traten ein Naturalismus in Form einer gesellschaftlichen Orientierung an der ‘Natur’, Konzepte einer antidemokratischen Herrschaft der ökologisch aufgeklärten Eliten, staatliche Planungsvorstellungen (seien sie nun staatssozialistischer oder privatkapitalistischer Provenienz), ein utopisches ‘Außerhalb’ oder der abstrakte Verweis auf das Gebot der materialen Reproduktion.
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Die Bedeutung von Seattle
Walden Bello
Es ist inzwischen allgemein akzeptiert, dass die Globalisierung – gemessen an dem dreifachen Versprechen, Länder aus der Stagnation zu befreien, Armut zu beseitigen und Ungleichheit zu verringern – ein Fehlschlag war. Die aktuelle globale Abwärtsbewegung, die ihre Ursachen in der von der von den Unternehmen vorangetriebenen Globalisierung, in der Liberalisierung der Finanzmärkte und in der diese legitimierenden neoliberalen Ideologie hat, ist der letzte Sargnagel für dieses Projekt.
Das sah eine Dekade zuvor noch ganz anders aus. Ich erinnere mich noch an die triumphale Aura, mit der das erste Ministertreffen der Welthandelsorganisation im November 1996 in Singapur umgeben wurde. Damals erzählten die Vertreter der USA und anderer entwickelter Länder, die Globalisierung sei unvermeidlich, sie weise in die Zukunft, und es käme nur noch darauf an, die Politiken der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Welthandelsorganisation „kohärenter“ zu machen, um schnell das neoliberale Utopia einer integrierten Weltökonomie zu erreichen.
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